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Geschichte
Dem Amerikaner D.D.Palmer fällt das Verdienst zu, im Jahre 1895, die in Literatur und Brauchtum überlieferten Manipulationen an der Wirbelsäule wieder aufgegriffen und als Verfahren zur Behebung von Wirbelsäulenfehlfunktionen erkannt zu haben. Er gründete 1897 die erste Schule für Chiropraktik. ..... mehr
Antike
Schon in der Antike wurde die Bedeutung einer korrekten Funktion der Wirbelsäule (nachfolgend WS genannt) erkannt. Wie aus zahlreichen Aufzeichnungen und Darstellungen (China, Thailand, Aegypten, Griechenland, Römisches Reich) hervorgeht, wurden schon damals Manipulationen an der WS durchgeführt!

Hippokrates:"Der Arzt legt die Fläche der einen Hand auf die hervor ragende Stelle der Wirbelsäule, die andere Handfläche auf die angelegte Hand und zwingt durch einen schnellen Ruck den betroffenen Wirbel in seine frühere Lage


Auch Galenos, letzter grosser Arzt der Antike und Arzt der Gladiatoren, hat die Bed
eutung und Behandlung von "Wirbelverschiebungen" in 22 Bänden ausführlich beschrieben. Mit dem Untergang der Antike verschwanden aber auch viele Aufzeichnungen. Die Kunst der Behandlung der WS geriet in Vergessenheit. Einzig gewisse Naturvölker haben diese Behandlungen von Generation zu Generation weitergegeben (Darstellungen aus Mexiko, Hawaii, Thailand).

USA
Dem Amerikaner und Kolonialwarenhändler David Daniel Palmer (kurz DD genannt) fällt das Verdienst zu, im Jahre 1895 die in Literatur und Brauchtum überlieferten Manipulationen wieder aufgegriffen und als Verfahren zur Behebung reversibler Störungen der Wirbelsäulenfunktion erkannt zu haben. Er behandelte seinen tauben schwarzen Butler am obersten Halswirbel (Atlas), worauf der wieder hören konnte. Also liess DD sämtliche tauben Menschen in seiner Umgebung zu sich kommen. Der Erfolg war jedoch mässig, ja sogar saumässig. Trotz der Misserfolge liess sich DD nicht beirren und forschte mit grossem Ehrgeiz weiter (Anatomie, Physiologie und Pathologie hatten ihn schon früher immer fasziniert). Er gründete 1897 die erste Schule für Chiropraktik, das spätere Palmer College of Chiropractic.
 

Das ganze tönt aus heutiger Sicht überaus abenteuerlich, wir dürfen aber nicht vergessen, dass zu dieser Zeit die Schulmedizin ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckte. Die Medizin glaubte zum Beispiel, dass Beinschmerzen durch einen Tumor am Ischiasnerv ausgelöst würden. Palmer hingegen war der Auffassung, dass die Symptome beim Austritt der Nervenwurzel an der WS
ausgelöst werden. Durch seine minimalen Kenntnisse war er im Vergleich zu den Medizinern weniger im Kastendenken eingepfercht und war vielleicht gerade deshalb als Denker der damaligen Schulmedizin in gewissen Bereichen weit voraus.
 
Eini
ge Jahre später gesellte sich sein Sohn Bartlett Joshua (kurz BJ genannt) zu ihm. Es war BJ, der die Chiropraktik zu dem machte, was sie heute ist. BJ entwickelte verschiedenste Behandlungstechniken, forschte, sammelte (z.B. die grösste Sammlung von krankhaft veränderten Wirbelsäulen der Welt) und untersuchte, wie man Probleme im Bereich der Wirbelsäule behandeln konnte ohne zu operieren.

Schweiz
Die ersten in den USA ausgebilddeten Chiropraktoren kamen in den 20er Jahren zurück in die Schweiz und eröffneten die ersten Praxen, obwohl die Ausübung des Berufes im Gesetz nicht verankert und deshalb illegal war. Als zum Beispiel Simon Müller 1932 auf Zürcher Boden eine Praxis eröffnete, hatte auch er nicht mit der unerbittlichen Reaktion der etablierten Medizin gerechnet, deren Standesorganisation die Justiz in Bewegung setzte: Er wurde gebüsst und seine Praxis wurde versiegelt. So behandelte er seine zahlreiche Patienten nun einfach im Treppenhaus. Die daraus resultierende Gefängnisstrafe hatte er im Bezirksgefängnis Meilen abzusitzen.

So wie ihm erging es längere Zeit auch noch anderen Chiropraktoren. Die harten Verurteilungen lösten bei den sich benachteiligt fühlenden Patienten weitherum Reaktionen aus: Sie organisierten sich und gründeten den Verein Pro Chiropraktik. Es entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den Justizorganen, der Aerzteschaft und den Anhängern der Chiropraktik.

Aus dieser Zeit stammen auch die folgenden Zitate, welche die damalige Stimmung wiedergeben:


"Die Chiropraktik ist eine richtige amerikanische Schwindelmethode, über die auch die allerdümmsten Menschen eigentlich stolpern sollten; aber da die Dummheit keine Grenzen kennt, erfreut sich diese Kurpfuscherei eines grossen Zuspruchs aus allen Kreisen, wobei die Damenwelt den Rekord zu schlagen scheint"
(Stadtärztliches Gutachten vor dem Richteramt 4 in Bern bei einem der ersten Prozesse gegen Chiropraktoren in der Schweiz).
 

"Sicher hat schon mancher von unseren Lesern die praktische Erfahrung gemacht, wie ausserordentlich schwierig es ist, die einzelnen Wirbel eines gekochten Stücks Schweinerückgrats (Gnagi) voneinander zu trennen, und doch sind hier Muskeln und Ligamente (Bänder) durch langes Kochen und Einlegen in Salzwasser schon ganz bedeutend gelockert worden. Aus diesen anatomischen Darlegungen geht hervor, dass eine Wirbelverschiebung im chiropraktischen Sinne zu Lebzeiten eines Menschen ziemlich sicher überhaupt nie vorkommt, da durch den ausserordentlich festen Fixationsapparat sogar grössere Verschiebungen unbedingt sofort wieder ausgeglichen werden" (Aus einem Gutachten über Chiropraktik, verfasst von drei Berner Medizinprofessoren).
 
Allein schon das unwissenschaftliche V
orgehen der "Gnagi"-Gutachter genügte damals, um Zürichs Regierungs- und Kantonsrat zur Ablehnung einer der ersten Initiativen zur Legalisierung der Chiropraktik zu bewegen. Das Zürcher Volk entschied jedoch wider Erwarten anders und stimmte dem Initiativbegehren im Januar 1939 zu.

Damit war Zürich nach Luzern (1937) der zweite Kanton, der die Chiropraktik anerkannte: Die Chiropraktik als gesetzlich verankerte Heilkunde war geboren. Weitere Kantone folgten nach und nach, so auch Bern 1964.

Eine durch 400'000 (!) Unterschriften unterstützte Petition hatte anlässlich der Revision des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes (KUVG) im Jahre 1964 den Einbau der chiropraktischen Tätigkeit in den Leistungsbereich der Krankenkasse zur Folge. Es folgten 1976 auch noch die Unfall- und Militärversicherungen. Seit Januar 1965 werden also die Leistungen der Chiropraktoren von den Kranken(grund)versicherungen übernommen.

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Kontakt

Dr. Stefan Streit
Chiropraktor SCG/ECU
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